Was bedeutet das Primärarztsystem für mich als Patient?
Das Primärarztsystem macht den Weg durch das Gesundheitssystem einfacher. Die Hausarztpraxis ist die erste Anlaufstelle. Dort wird geklärt: Was fehlt Ihnen? Was kann direkt behandelt werden? Und brauchen Sie einen Facharzt? So kommen Sie schneller, gezielter und besser zur passenden Behandlung.
Die Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag auf ein Primärarztsystem (oder auch Primärversorgungssystem genannt) festgelegt. Ein Entwurf für ein Gesetz dazu soll noch in diesem Jahr kommen.

Das Primärarztsystem hat wichtige Vorteile
- Schnellere Facharzttermine
Wer dringend einen Facharzt braucht, bekommt schneller einen Termin. Die Hausarztpraxis schätzt die Dringlichkeit ein und vermittelt gezielt weiter. - Günstiger und effizienter
Unnötige Arztbesuche und doppelte Untersuchungen kosten Zeit und Geld. Eine bessere Steuerung hilft, beides zu sparen und besser einzusetzen. So bleiben Beiträge zur Krankenkasse stabil.
- Höhere medizinische Qualität
Ihre Hausarztpraxis kennt Ihre Krankheiten, Medikamente und Behandlungen. So kann sie besser darauf achten, dass alles zusammenpasst. - Mehr Prävention
Gute Versorgung beginnt, bevor man krank wird. Im Primärarztsystem werden Impfungen, Vorsorge und Früherkennung stärker mitgedacht und häufiger genutzt.
Was macht die Hausarztpraxis?

Behandeln
Viele gesundheitliche Beschwerden können in der Hausarztpraxis direkt behandelt werden. Wenn spezialisierte Medizin nötig ist, wird gezielt weitergeleitet.

Priorisieren
Nicht jeder Facharzttermin ist gleich dringend. Im Primärarztsystem zählt der medizinische Bedarf: Wer schnelle Hilfe braucht, soll auch schneller einen passenden Termin bekommen.

Koordinieren
Die Hausarztpraxis kennt Ihre Krankengeschichte, Medikamente und bisherigen Behandlungen. Sie führt wichtige Informationen zusammen und hilft, Doppeluntersuchungen und unnötige Behandlungen zu vermeiden.
Primärversorgung ist längst erprobt

In vielen Ländern (z. B. Dänemark, den Niederlanden, Norwegen, Großbritannien, Spanien oder Italien) ist es normal, dass man zuerst zur Hausarztpraxis und nur bei echtem Bedarf zum Facharzt geht.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Primärversorgung die Qualität der Versorgung der gesamten Bevölkerung verbessert.
- Martin Scherer, Thomas Zimmermann, Eva Hummers - Primärversorgungssystem in Deutschland: Evidenz, Chancen und Implementierung (2026)
- Gina Wittlinger, Leonie Sundmacher - Primärarztsysteme im internationalen Vergleich: Wie gestalten andere Länder ihre Versorgung und was kann Deutschland davon lernen? (2025)
Auch in Deutschland gibt es das schon. Mehr als 10 Millionen Menschen nehmen freiwillig an der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV, nach SGB V 73b) teil. Zahlreiche Studien und Erfahrungen zeigen: Hausärztlich gesteuerte Versorgung funktioniert sehr gut. Teilnehmende nutzen häufiger Vorsorgeangebote und es gibt weniger vermeidbare Krankenhausaufenthalte.
Wir müssen das Primärarztsystem also nicht neu erfinden.
Die freie Arztwahl bleibt erhalten
Sie wählen Ihre Hausarztpraxis weiterhin selbst. Auch beim Facharzt geht es nicht darum, Ihnen einen bestimmten Arzt vorzuschreiben. Ihre Hausarztpraxis hilft Ihnen, die passende fachärztliche Behandlung zu bekommen.
Für einige Krankheiten und Fachrichtungen soll es besondere Regeln, wie zum Beispiel Jahresüberweisungen geben. Wie diese genau aussehen, wird mit dem neuen Gesetz festgelegt.
So funktioniert Primärversorgung in Niedersachsen schon heute
Hausarztzentrierte Versorgung (HZV)
Bei der HZV wählen Patientinnen und Patienten freiwillig eine feste Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle. Die Hausarztpraxis behält den Überblick, behandelt viele Beschwerden selbst und überweist bei Bedarf gezielt weiter.
So können unnötige Arztbesuche und doppelte Untersuchungen vermieden werden. Weitere Vorteile hat die AOK in einer HZV-Studie herausgefunden.
Hausärztliches Primärversorgungszentrum Niedersachsen (HPVZ)
Das HPVZ ist ein Versorgungsmodell des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Niedersachsen e. V. Es zeigt, wie eine gut organisierte hausärztliche Versorgung funktionieren kann: mit klaren Abläufen, ausgeprägtem Teamgedanken und Blick über den Tellerrand.
Für die Zertifizierung gelten feste Qualitätsstandards.


