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Was bedeutet das Primärarztsystem für uns als Hausarztpraxen?

Mit der geplanten Einführung eines Primärarztsystems rückt die hausärztliche Versorgung noch stärker ins Zentrum der ambulanten Medizin. Hausärztinnen und Hausärzte koordinieren als verbindliche erste Anlaufstelle Patientinnen und Patienten im Versorgungssystem.

Wir behandeln die meisten Versorgungsanlässe im unausgelesenen Patientengut vollständig, priorisieren und koordinieren, wo notwendig, in kollegialer Zusammenarbeit mit den gebietsfachärztlichen Kolleginnen und Kollegen.

Die Rolle Ihrer Praxis in der Primärversorgung

Behandeln

Hausärztinnen und Hausärzte sind Generalisten und Spezialisten für den ganzen Menschen. Sie versorgen den größten Teil medizinischer Anliegen direkt in ihrer Praxis. Sie sind erste Ansprechpartner für Patientinnen und Patienten und gewährleisten eine kontinuierliche medizinische Betreuung. Diese Rolle wird weiter gestärkt und anerkannt.

Priorisieren

Hausarztpraxen bewerten die medizinische Dringlichkeit von Beschwerden und entscheiden, wann und in welchem Umfang weitere Diagnostik oder fachärztliche Behandlung notwendig ist. Damit stellen sie sicher, dass Patienten mit dringendem Behandlungsbedarf vorrangig versorgt werden.

Koordinieren

Wenn spezialisierte Versorgung erforderlich ist, koordinieren Hausärztinnen und Hausärzte den weiteren Behandlungsweg. Sie überweisen gezielt an Fachärzte oder andere Leistungserbringer und behalten den Überblick über Diagnostik, Therapie und Medikation.

Die Hausarztpraxis als primäre Anlaufstation

Im Primärarztsystem beginnt die medizinische Versorgung grundsätzlich in der hausärztlichen Praxis. Hausärztinnen und Hausärzte sind erste Ansprechpartner für Patienten oder Patientinnen und übernehmen die medizinische Erstbewertung von Beschwerden. Der Großteil der medizinischen Anliegen wird dort direkt behandelt. Nur wenn eine spezialisierte Versorgung erforderlich ist, erfolgt eine gezielte Weiterleitung in die fachärztliche Behandlung. Chronische Erkrankungen (z. B. Tumorerkrankungen, Dialyse usw.) werden dann selbstverständlich dauerhaft fachärztlich weiter betreut.

Neben der hausärztlichen Einschätzung können auch strukturierte Ersteinschätzungen, etwa über die Rufnummer 116 117, in Einzelfällen zur Priorisierung der Behandlung beitragen. Ziel ist es, medizinische Versorgungsbedarfe frühzeitig zu erkennen und Patienten oder Patientinnen entsprechend der Dringlichkeit zur passenden Behandlung zu führen. Dabei erfolgt die Einordnung in klar definierte Prioritätsstufen, die eine zeitgerechte Versorgung unterstützen. So werden Versorgungsprozesse insgesamt besser gesteuert und vorhandene Ressourcen gezielter eingesetzt.

Erprobte Versorgungsmodelle in Niedersachsen

In Niedersachsen bestehen bereits heute Versorgungsstrukturen, die zentrale Elemente eines Primärarztsystems abbilden. Dazu zählen insbesondere hausärztliche Primärversorgungszentren Niedersachsens (HPVZ), strukturierte Versorgungsmodelle sowie die hausarztzentrierte Versorgung.

Zertifiziert. Strukturiert. Zukunftsfähig.

Das HPVZ ist ein vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband Niedersachsen entwickeltes und zertifiziertes Versorgungsmodell für Mitglieder. Es stärkt die strukturierte Versorgung, klare Zuständigkeiten und die koordinierte Steuerung von Patientinnen und Patienten.

Die Zertifizierung basiert auf verbindlichen Qualitätskriterien und macht diese Form der Versorgung sichtbar.

Weiterbilden. Entlasten. Behandeln.

Primary Care Management (PCM) stärkt die hausärztliche Versorgung durch gezielte Qualifizierung von Medizinischen Fachangestellten, ein strukturiertes Praxismanagement und eine ärztlich gesteuerte Delegation von Aufgaben im Praxisteam.

Durch akademische Weiterbildung (B.Sc.) übernehmen qualifizierte MFA koordinierende und steuernde Aufgaben, unterstützen bei der Priorisierung von Patienten oder Patientinnen und entlasten Ärztinnen und Ärzte im Versorgungsalltag.

Etabliert. Evaluiert. Hochwertig.

Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) stärkt die Rolle der Hausärztinnen und Hausärzte als zentrale Steuerungsinstanz im Versorgungssystem und schafft verbindliche Strukturen für eine koordinierte Patientenversorgung.

Durch feste Einschreibung, kontinuierliche Betreuung und klare Versorgungswege werden Behandlungen gezielt gesteuert, unnötige Doppeluntersuchungen vermieden und Ressourcen effizient eingesetzt.